Das Streben nach Glück

Wie im Grunde ständig habe ich diese Woche mal wieder einen Brief von der Bank erhalten in dem mir sehr freundlich vorgeschlagen wurde, ob man mir nicht einfach mal – so unter „Freunden“ quasi – 5.000 Euro leihen soll, damit ich mir einen schönen Traum erfüllen kann. Details, wie, wo, warum und so stehen dann natürlich ein wenig kleiner und weniger spektakulär dargestellt am Ende des Werbebriefs. Leider sind die Herrschaften bei mir da an der falschen Addresse, denn weder bin ich ein Freund von „auf Pump“ leben, noch würden mir Träume einfallen, die man mit Geld kaufen kann. Aber warum eigentlich nicht? Was genau erträumt man sich denn?

Allegorie des Glücks (Angelo Bronzino)
Allegorie des Glücks (Angelo Bronzino)

Zum Geburtstag sagt man anderen Menschen seine „Glückwünsche“ und die meisten Menschen würden wohl auch bzgl. ihrer Lebensvorstellung sagen, dass sie sich Lebensglück wünschen – recht unspezifisch, weil was genau da Glück für einen bedeutet wissen die meisten wohl gar nicht.

Eine Allegorie dazu hat der Maler Angelo Bronzino geschaffen. Das Glück umrahmt von Menschen verschiedenen Alters, die ihm zugewandt sind, es aber offenbar dennoch nicht wirklich erreichen – gekrönt von kleinen Engeln. Nur zur Linken des Glücks befindet sich eine junge Frau, die eher unbeteiligt aussieht und sich sogar vom Glück abgewendet hat, desinteressiert ist.

Die Bank suggeriert, dass man mit Geld glücklich ist und zwar ist kein Geld haben sicherlich auch keine Lösung oder gar Glücksgarant, aber zuviel dürfte einen doch auch eher daran hindern. Denn man übersieht im Überfluss leicht das Wesentliche. Im gefühlten Stundentakt erscheinen von diversen Persönlichkeiten oder Firmen diversester Produkte Ratgeber zum Glück oder andere Quellen für dieses und wie man an Bronzinos Gemälde bildlich erkennen kann, spielt das Streben nach Glück, die Suche nach dem Weg, der Methode, die einen glücklich macht und plötzlich ist man sorglos und frei von allem Ungemach, eine entscheidende Rollen im menschlichen Dasein.

Blickt man sich einmal hier in Deutschland um, so haben es viele Menschen hier doch sehr gut. Wir haben (noch?) eine Gesundheitsversorgung, die erschwinglich ist. Viele Menschen haben Arbeit, die Deutschen sind Reiseweltmeister, das Auto ist das liebste Spielzeug und auch die Wirtschaftskrise haben wir gut überstanden. Man sollte also annehmen, dass man in unseren Breiten, in Industriestaaten viele glückliche Menschen antrifft.

Es gibt Untersuchungen zum Glücksgefühl der Menschen und die enthüllen allerdings ganz andere Dinge. Laut dem Happy Planet Index gehört Deutschland diesbezüglich gerade einmal zum Mittelfeld.

Happy Planet Index
Happy Planet Index

Das ist schon auffällig. Australien, das seit langem zu den Ländern an der Spitze des Lebensstandards gehört (aktuell Platz 2, laut Human Development Index), ist sogar weit unterdurchschnittlich glücklich und auf den hinteren Ländern liegen erwartungsgemäß afrikanische Nationen, wie z.B. Tschad, aber und das ist sehr überraschend: die USA, aktuell Platz 3 auf der Rangfolge des Lebensstandards.

Am glücklichsten sind die Menschen in Ozeanien und im nördlichen Südamerika und den karibischen Ländern – obwohl es sich durchaus um arme Länder handelt. Spannend, oder?

Ich glaube hinderlich ist da vor allem das „Streben nach Glück“. Hat man eine Sache erreicht, kann es das ja noch nicht gewesen sein, da geht doch noch mehr! Man sucht sich den nächsten potentiellen Glücksgarant. Man vergleicht vielleicht auch zu viel mit anderen – der Nachbar, der schon wieder ein neues Auto hat, der Bekannte, der schon seit Jahren in einer glücklichen Beziehung lebt, während man selbst nie jemanden findet. Urlaube, immer weiter weg und exotischer. Und gerade dieser Drang immer „mehr“ zu haben und das Vergleichen mit anderen macht einen letztlich so anfällig für ein Misslingen des Glücklichseins. Der Kollege war vielleicht in Südafrika und hat da eine tolle Safari erlebt und eine grandiose Klettertour gemacht. Aber wenn ich während des Campens am Baggersee froh und entspannt war, wieso soll ich denn dann nicht genauso glücklich gewesen sein? Das „Unglück“ kommt ja erst dadurch, dass man das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben. Und dann kommt Druck auf – der nächste Urlaub muss natürlich dann auch nach XYZ gehen und nicht an den Baggersee, man will ja gleichziehen.

Der Trick beim Glücklichsein ist aber nicht eine tolle „Methode“ oder eine Strategie, sondern gerade keine zu haben. Glücklich sein heißt es ja, also braucht man einfach nur glücklich zu sein. Das war es, kein Geheimnis dahinter. Wenn ich genüsslich am Baggersee ein schönes Buch lesen konnte und mich dabei wohl fühlte, kann ich doch darüber glücklich sein oder noch besser mich gleich noch darüber freuen, dass mein Kollege auch einen schönen Urlaub verbracht hat. Wenn wir uns mit anderen messen übersehen wir nämlich auch gerne einmal, dass wir ja nur Ausschnitte der anderen sehen. Dass der selbe Kollege vielleicht eigentlich große Sorgen hat, weil eine Verwandte einen Unglücksfall erlebt hat oder er zum dritten Mal durch eine wichtige Prüfung gefallen ist, erfahren wir meist ja nicht.

Nicht für Geld zu kaufen...
Nicht für Geld zu kaufen…

Lässt man sich aber durch den Vergleich mit anderen oder den Gedanken, mann muss doch noch mehr aus dem eigenen Leben holen können, nicht die Sicht versperren, dann erkennt man schnell, dass es gar nicht der Südafrikaurlaub ist, der einen glücklich macht oder das neue Auto, sondern die kleinen Dinge sind, die mann dann entdeckt. Sei es das gemeinsame Genießen eines Sternenhimmels mit Freunden, das „Durch die Wohnung Tanzen“ zu einem Lieblingslied, was unverhofft im Radio ertönt oder, oder, oder. Glücklich sein bedeutet frei sein, frei von Erwartungen, frei von Drängen und Wettstreit mit anderen. Sondern Zufriedenheit mit dem, was einem widerfährt. Natürlich heißt das nicht, dass man nicht mehr nach neuen Dingen streben darf, aber dies sollte einfach der Persönlichkeitsentwicklung dienen und nicht als Bewertungsmaßstab für das eigene Leben angewandt werden, sonst läuft man schnell Gefahr der eigene größte Kritiker zu werden, den man niemals zufriedenstellen kann. Und wer mag schon jemanden, der einem ständig nur sagt, was nicht gut ist? Niemand! Dann sollte man das auch nicht mit sich selbst tun, sondern das Schöne im Leben genießen! Also lautet die Devise: Glücklich sein! Das war es, ohne Tricks und Kniffe! Einfach sein!

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2 Gedanken zu “Das Streben nach Glück

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