Auf Schusters Rappen durch Irland – Der Kerry Way

In den letzten Wochen habe ich einmal mehr das gemacht, was eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist – Wandern. Zusammen mit meiner Freundin bin ich knapp 200 km durch Irland gewandert – auf dem Kerry Way. Dieser Wanderweg in ca. neun Etappen führt im Südwesten des Landes um die Kerry Habinsel herum und hat dabei Wegteile durch die Berge, an der Küste entlang und passiert im Zuge dessen mehr als ein malerisches Örtchen.

Der Große See bei Killarney

Der Weg beginnt in Killarney – wenn man ihn komplett gehen möchte – einem kleinen Städtchen nach deutschen Verhältnissen, in Irland aber eine „Lokalmetropole“ mit 9000 Einwohnern. Die Stadt ist mit dem Zug gut zu erreichen, wenn man von Dublin anreist – hier schon ein erster Tipp für die, die auch einmal den Kerry Way wandern wollen: Zugreise vorbuchen, denn dann ist der Preis sehr viel geringer. „Sparpreise“ wie bei uns gibt es bis zu drei Tage vorher. Bucht man erst am Reisetag, verdreifacht sich der Preis schon einmal. Buchen kann man via Internet auf http://www.irishrail.ie/.

Killarney hat ein paar Sehenswürdigkeiten, u.a. Muckross House – ein alter Herrensitz, Ross Castle, eine kleine Burg und zwei Kathedralen. Besonders die ersten beiden Monumentalbauten sind in einem ausgezeichneten Zustand, hervorragend restauriert – die Wermutstropfen: Sie sind nur mit (sehr guten!) Führungen zu besichtigen und Fotos sind nicht erlaubt. Wer aber in die jeweiligen Epochen eintauchen möchte, dem sei eine Besuch angeraten.

Folgt man dem Kerryway entgegen des Uhrzeigersinns ist der erste Stop Black Valley, danach folgt Glencar. Beide „Orte“ sind sehr klein und abgelegen, so dass man vor Ort keine Chance zum Einkauf hat – unbedingt bedenken. Allerdings bieten die Bed and Breakfast-Unterkünfte in der Regel Abendessen und Lunchpakete an, vor allem erstere aber zu einem sehr gesalzenen und ungerechtfertigten Preis. Supermarkt-Aufwärmkost für 5 Euro, wird mit 20-25 Euro abgerechnet. Aufgrund der isolierten Lage bleibt einem nur übrig selbst etwas mitzubringen oder in den sauren Euroapfel zu beißen.

Selbstverständlich entschädigt die Natur für vieles, denn sie ist atemberaubend. Auch wenn dies nicht meine erste Wandertour ist, so war ich noch nie so „fernab“ der Zivilisation. Die dünne Besiedlung Irlands merkt man an allen Ecken und Enden oder viel mehr – man merkt nichts. Nur die Abgrenzungen von Feldern deuten streckenweise daraufhin, dass man nicht wirklich in der Wildnis ist.

Der Weg durch die grüne Insel – kurz vor Cahersiveen.

Dies macht sich natürlich auch bemerkbar. Irland ist nass und so überrascht es nicht, das viele Wege sehr moddrig und schlammig sind. Dann sollte man wirklich wasserfeste Schuhe haben – meine Lederschuhe waren schnell durchnässt und das ist schnell sehr unangenehm. Schuhe aus entsprechendem, wasserfesten Kunststoff sind da definitiv vorteilhaft. In jedem Fall muss man immer mit Regen rechnen – es hat zwar während der Wanderung nie den ganzen Tag geregnet, aber wähend der zweiten Hälfte vor allem jeden Morgen für einige Zeit. Für die sonnigen Tage ist zumindest für Weißbrote wie mich trotzdem zu Sonnencreme und einer Kopfbedeckung zu raten, sonst holt man sich in Irland auch einen Sonnenbrand, wie mir geschehen am ersten Tag. Für das Gelände, aber auch zum Durchqueren der schlammigen Teile oder von Wasserläufen sind Teleskopwanderstöcke sehr hilfreich. Da man mitunter wirklich sein ganzes Gewicht darauf lagert, sollte man auch nicht unbedingt die preiswerteste Version wählen. Im Laufe des Weges kommt man mehrmals an Orte, die „Windy Gap“ heißen – „Storm Hell“ wäre der passendere Name. Es ist dort sehr stürmisch und das für erhebliche Strecken. Man sollte also nicht nur vorsichtig gehen, sondern auch ausreichend warme Kleidung dabei haben. Auch eine warme Mütze ist sehr hilfreich!

Die ersten beiden Etappen durch die Wildniss des Black Valleys, sind auch die anspruchvollsten, wo die Wege häufig nicht mehr als ein paar Steinansammlungen sind. Die Anstiege sind ebenso anspruchsvoll und nur vorsichtig zu erklimmen. Eine Geschwindigkeit von 3 km/h ist schon gut und die Etappe sollte entsprechend eingeplant werden. Vor allem wenn es regnet.

Irlands Sonnenseite – abends in Foilmore

Genauso überrascht, wie ich von den hohen Essenspreisen war, war ich von der Gastfreundschaft der Iren. Man wird auf der Straße, auch von Autofahrern gegrüßt. Es gibt kein Drängeln, keine Hektik, die Autos halten bereitwillig an, um einen über die Straße zu lassen. Die Herbergsleute servieren gerne Tee im Kaminzimmer oder ein Stück Kuchen oder selbstgemachten Brown Bread – ein süßliches Nussbrot, das eher fest und unserem Graubrot ein wenig ähnlich ist und sie helfen auch bei allen Problemen sehr bereitwillig. Generell sind die Preise in den Bed and Breakfasts überschaubar – 30-40 Euro pro Person in einem Doppelzimmer. Bucht man mehr als eine Nacht, reduzieren sich die Preise auch, man braucht also nicht davor zurückzuschrecken auch einmal einen Tag Pause einzulegen, um die Umgebung zu erkunden. Zwar gibt es in einigen Ortschaften auch Hostels, die den Vorteil haben, dass man dort in der Regel selbst kochen kann, was die preiswerteste Versorgungsalternative ist, allerdings sind die Übernachtungspreise nur unwesentlich geringer – ca. 22 Euro pro Person im Doppelzimmer, 18 Euro im Schlafsaal. Der Komfort des B&B ist aber definitiv den Aufpreis wert, erst recht, wenn man länger bleibt.

Es gibt ein paar Etappen, die sehr lang sind (mehr als 30 km), allerdings ist es dort häufig möglich abzukürzen oder zumindest das Gepäck transportieren zu lassen (wir haben ersteres gewählt). Dabei sollte man aber darauf achten, die größeren Städte wie Cahersiveen und Sneem nicht auszulassen, da man dort per Bank oder Geldautomaten an Bargeld kommt. Dies ist nämlich genauso nicht selbstverständlich, wie es notwendig ist. Zwar gibt es nur sehr begrenzte Möglichkeiten zum Geld abheben, aber vor allem die Unterkünfte erwarten (wegen der üblichen Gebühren) Barzahlung. Ist man doch einmal knapp mit Geld, helfen folgende Tricks:

  • Im Supermarkt nachfragen, ob man bei der Bezahlung auch Geld abheben kann – die Konditionen scheinen unterschiedlich zu sein, manchmal gehen Kreditkarten, manchmal nicht,
  • in Pubs oder Restaurants, z.B. Tower Hotel in Glenbeigh, kann man ggf. ebenfalls bei der Bezahlung Geld abheben mit einer Kreditkarte,
  • Trampen oder die Herbergsleute fragen, ob sie einen zum nächsten Geldautomaten fahren können, der schon einmal einige Dörfer weiter sein kann.

Trampen ist auch, wenn einem die Füße schwer werden, eine gute Möglichkeit abzukürzen (haben wir allerdings nicht gemacht), offenbar hält in der Regel schon das zweite Auto und nimmt einen mit. Allerdings verläuft der Kerry Way eher selten an der Straße, so dass man sich nicht darauf verlassen kann, bzw. sich rechtzeitig entscheiden sollte, das Wandern abzubrechen.

Neben der reinen Landschaft gibt es natürlich auch noch die Tierwelt zu bestaunen. Wir hatten das Glück einige Rehe zu sehen, ein Wiesel, Eichhörnchen und natürlich landwirtschaftliche Tiere, allen voran Schafe. Viele Schafe! Und vor allem kleine, niedliche Lämmchen.

Rehe auf dem Kerry Way
Rehe auf dem Kerry Way

Die Landschaft zieht einen aber natürlich immer wieder in seinen Bann, das Wechselspiel mit dem Wetter ebenso. Ratsam ist es dennoch Pausen einzulegen, denn auch abseits des Weges gibt es sehenswertes. Viele verlassene Abteien – Irland ist eine der Wiegen des Mönchtums und entlang des Kerry Ways finden sich einige Ruinen aus dem sechsten bis achten Jahrhundert und aus dem Mittelalter, die in beachtlich gutem Zustand sind.

Für die Reiseplanung sollte man berücksichtigen, dass die Lebenserhaltungkosten in Irland hoch sind – vor kurzem wurde sogar eine Wassersteuer eingeführt. Lebensmittel kosten selbst in einfachen Geschäften so viel, wie bei uns in teuren. Billigeinkaufsmöglichkeiten gibt es zumindest am Kerry Way keine (und in Dublin nur außerhalb der Touristengegenden). Wenn man nicht aufpasst, zahlt man für einen Liter Saft auch mal fünf Euro. Essenspreise im Lokal liegen sehr schnell bei 25 Euro pro Person, ohne Getränke, die häufig nur in einer geringen Größe (0,2 l) zu haben sind und dann ca. 3 Euro kosten. Die Reisekosten selbst sind dank Billigfluglinien überschaubar, zumindest wenn man früh bucht.

Kenmare River
Kenmare River

Irland ist auf jeden Fall eine Reise wert, allerdings trotz der einfachen Bedingungen, ist die Wanderung durch das Land kein preiswertes Vergnügen, erst recht nicht, wenn man die Ausrüstungskosten für (Wieder-)Neuanschaffungen mit einrechnen muss. Aber die Landschaft ist sehr einzigartig, abwechslungsreich und die Menschen herzlich und freundlich. Sprachprobleme hat man mit Englisch auch keine und für mich als Sprachliebhaber hat die Begegnung mit dem Irischen meine Neugierde geweckt…

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