Die größte Naturkatastrophe der Welt: Homo Sapiens?

Das wir Menschen nicht gerade zimperlich mit unserer Umwelt umgehen, ist ja mehr als hinlänglich bekannt. Jüngere Großkatastrophen mit diesem Charakter sind die Ölpest im Golf von Mexiko durch einen verheerenden Schaden an der Ölplattform Deep Water Horizon im Frühjahr 2010 oder die Folgen der Kernschmelze von Fukushima ungefähr ein Jahr später.

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Deep Water Horizon brennt lichterloh, kurz vor dem Untergang.

Die Liste der von uns ausgerotteten Spezies ist lang – angefangen bei Urzeittieren wie dem Mammut. Allerdings muss man nicht tausende von Jahren zurückblicken, um Massentöten zu beobachten. Der Riesenalk war ein Vogel, der in der Nordhalbkugel verbreitet, aber selten war. 1844 wurden die letzten freilebenden Exemplare getötet, um die Jungtiere noch rentabler verkaufen zu können.  Studien zufolge ist die Artenvielfalt in den letzten 40 Jahren weltweit um 30% zurückgegangen, lokal, vor allem in tropischen Regionen um 60%. Wir haben es geschafft, im Schnitt ein Drittel aller Lebensformen auszulöschen. Unwiderruflich.

Ein ausgestopfter Riesenalk.
Ein ausgestopfter Riesenalk.

Kürzlich veröffentlichte Studien sind dabei noch pessimistischer. Dabei hat sich gezeigt, dass die natürliche Aussterberate ca. 0,1 Spezies pro Millionen Spezies beträgt – zuvor war man von einem Wert von 1 ausgegangen. Diese natürliche Aussterberate glich sich in der Zeit vor dem Auftauchen der Menschen mit der Neuentstehung von Spezies durch Mutation aus. Tatsächlich vermutet man sogar einen leichten Anstieg der Biodiversität. Seit der Zeit der Menschen hat sich allerdings eine Aussterberate von 100 pro Jahr pro Millionen Spezies etabliert. Das ist Faktor 1000 so viel wie die natürliche Aussterberate. Man schätzt, dass es ca. 8,7 Millionen Spezies auf der Erde gibt (ohne Bakterien), d.h. jedes Jahr sterben durch uns 870 Spezies aus. Das letzte Mal ist ein so großer Wert beim Aussterben der Dinosaurier aufgetreten. Die Auswirkungen, die die Menschen auf die Umwelt haben, sind so groß wie der Einschlag eines riesigen Asteroiden auf der Erde – welcher als Folge den Golf von Mexiko kreierte.

Eine Prognose ist schwierig. Fest steht, dass wir aktuell weltweit im Schnitt ca. 1,5 Erden bräuchten, um dauerhaft das Leben der Menschen zu sichern. Dies liegt sowohl an unserer großen Zahl als auch dem hohen Bedarf an Ressourcen. Bis spätestens 2050 wird sich dieser Wert wieder verdoppelt haben – wenn man vorsichtig schätzt. Regional sind die Unterschiede noch größer, so haben wir in Europa bereits jetzt einen Bedarf von 2,5 Erden. Dies bedeutet jeder Europäer verbraucht im Schnitt 2,5 mal so viele Ressourcen wie wir es uns leisten können.

Bleibt es bei der aktuellen relativen Aussterberate (100 pro Millionen Spezies pro Jahr), dann wird es in 100.000 Jahren kein Leben mehr auf der Erde geben – das klingt zwar wie eine lange Zeit, bedenkt man aber, dass das Leben auf der Erde seit ca. 3,5 Milliarden Jahren existiert, d.h. ca. 35.000 mal so lange, ist es erschreckend, dass wir innerhalb so kurzer Zeit, die Erde zur leblosen Öde machen. Berücksichtigt man den Anstieg des Umwelteinflusses des Menschen und dass Spezies zum Überleben voneinander abhängen, d.h. das Aussterben einer Spezies viele weitere bedroht, dann könnte es auch sehr viel schneller passieren. Behält man eine Rate von 870 aussterbenden Spezies pro Jahr bei, dauert es dementsprechend nur 10.000 Jahre, bis die Erde nur noch Fels ist. Das ist ungefähr die Spanne seit der letzten Eiszeit, doppelt so lange, wie es die Pyramiden gibt, ca. 400 Generationen von Menschen, ca. 100 Menschenleben lang. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Prognose der Aussterberate (absolut gleichbleibende Rate in Orange, relativ gleichbleibende Rate in Blau).
Prognose der Aussterberate (absolut gleichbleibende Rate in Orange, relativ gleichbleibende Rate in Blau).

 

Gerne beruhigen wir uns mit Bildern von unberührter Wildnis – aber diese gibt es im Grunde nicht mehr. Blickt man z.B. auf eine Karte, die die ursprüngliche Verteilung von Löwen in Afrika zeigt und die Verteilung von 2009 stellt man ernüchternd fest: Welche Verteilung? Es gibt nur noch sehr wenige, kleine Stückchen wo überhaupt noch Löwen leben. Viele der Populationen sind sehr klein und sie sind unzusammenhängend, d.h. Schäden durch fehlerhaftes Erbgut, also Erbkrankheiten, werden sich schärfer durchsetzen. Inzest führt letztlich ebenfalls zum Aussterben der Spezies. Und dies ist nur ein Beispiel.

Verbreitung von Löwen in Afrika (rot: historisch, blau: im Jahre 2009).
Verbreitung von Löwen in Afrika (rot: historisch, blau: im Jahre 2009).

Das Massenaussterben passiert auch nicht weit weg, irgendwo in den Tropen, wo für unsere schönen Möbel Bäume abgeholzt werden und damit zahllosen Arten ihre Lebensgrundlage entzogen wird. Nein, sie passiert hier vor unserer Haustür genauso: z.B. das Bienensterben.  Wer jetzt denkt: Ach Gott, ja ein paar lästige Insekten sterben halt, verkennt die Lage. Ohne Bienen gibt es keine Bestäubung, d.h. keine Ernten, etc. Wir sind Teil eines Ökosystems, das sehr empfindlich reagiert. Und wir benötigen dieses Ökosystem um zu überleben. Es geht nicht darum die Wale zu retten oder das Waldsterben zu stoppen. Es geht nicht darum Krötentunnel zu bauen oder Recyclingpapier zu kaufen, sondern es geht um nichts anderes als die gesamte Welt, wie wir sie kennen und zum Leben brauchen. Das Leben wird unser rücksichtloses Verhalten sicherlich überstehen – irgendwelche Kleinstlebewesen werden überleben und auf ein neues wird die Evolution fortlaufen und komplexere Lebensformen hervorbringen (wobei ihre Zeit auch begrenzt ist, da die Erde nur noch für ca. 1 Milliarden Jahre bewohnbar sein wird). Aber wir können nicht ohne dieses Ökosystem überleben. Zwar machen wir Fortschritte im Bereich von künstlichen Ökosystemen, aber wir sind noch weit davon entfernt, dauerhafte Besiedlung zu ermöglichen, die nachhaltig ist.

Bis zu meinem Lebensende in ca. 50 Jahren, werden noch gut 40.000 Arten ausgelöscht werden, ganze Arten! Es ist längst überfällig, aber jeder sollte sich fragen, was kann ich tun? Dies fängt beim Autofahren an – Radfahren ist nicht nur weit schonender (vor allem auch in der Herstellung, denn ein Auto verbraucht in der Herstellung 400.000 Liter Wasser), geht dahin, dass man vor allem regionale Produkte verbraucht und nicht unbedingt spanische Erdbeeren kauft, denn die müssen erst transportiert werden. Ich verstehe zum Beispiel auch nicht, warum Plastiktüten in Supermärkten nicht längst verboten sind. Klar, im ersten Moment sind diese billig. Teuer wird es erst, wenn man bedenkt, dass Plastik nicht abgebaut wird und inzwischen ein immenses Problem für die Weltmeere ist – es gibt Inseln so groß wie Bayern, die nur aus Plastikmüll bestehen. Jeder muss sich an die Nase fassen und etwas ändern, wenn wir nicht unseren Nachkommen irgendwann Rede und Antwort stehen wollen, warum wir zugesehen und nichts unternommen haben. Dieses Thema geht alle an! Nicht „die anderen“, nicht irgendjemand wird schon etwas unternehmen. Umweltschutz ist auch keine Freizeitbeschäftigung für Grünenwähler, sondern eine existenzielle Notwendigkeit.

Einmal in der Geschichte des Lebens auf der Erde ist eine Spezies dafür verantwortlich gewesen, dass das es zu einem Massenausterben kam – dem größten, dass es je gab. Dies war vor 2,4 Milliarden Jahren die große Sauerstoffkatastrophe ausgelöst durch Cyanobakterien, welche die uns vertraute sauerstoffhaltige Atmosphäre hervorriefen (die Tatsache, dass einfache Bakterien eine komplette Atmosphäre zum Kippen bringen können, sollte wohl verdeutlichen, dass wir Menschen erst recht einen starken Einfluss auf diese haben können). Diese Bakterien waren natürlich nicht in der Lage abzusehen, welche Konsequenzen ihr Verhalten hatte. Dementsprechend haben sie auch nichts dagegen getan. Wir Menschen haben die Fähigkeit zu erkennen, was die Folgen unseres Handelns sind. Die Frage ist, ob wir entsprechend reagieren werden oder weiter unsinnigerweise hoffen, dass auf wundersame Weise kein Unglück passieren wird – das Unglück ist im vollen Gange. Aber noch können wir den Schaden begrenzen. Und dies sollten wir tun, wenn wir das, was von der Vielfalt des Lebens noch übrig ist, retten wollen.

 

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3 Gedanken zu “Die größte Naturkatastrophe der Welt: Homo Sapiens?

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