Flüchtlingswellen voraus: Oder auch das „Horizontproblem“

Momentan ein heißes Eisen in den Medien – die „aktuelle“ Flüchtlingswelle. Eigentlich ist das überhaupt kein Problem, was neu ist, denn die EU befand es bereits als so dringlich, dass man schon 2004 die Organisation FRONTEX ins Leben gerufen hat, die Grenzsicherungsbehörde der EU – welche nicht zuletzt durch Menschenrechtsverletzungen auffällt.

Ausschlaggebend für meine Meinungsäußerung war jedoch ein Link, den jemand auf Facebook geteilt hatte zu einem „Artikel“ in dem sich darüber beklagt wurde, dass auf einem Foto eines Zeitungsartikels zu sehen ist, dass Flüchtlinge tatsächlich Markenschuhe und Smartphones haben.

Rechte Flüchtlingspropaganda
Rechte Flüchtlingspropaganda

Daraus ergibt sich klar, dass diese Menschen nur hierherkommen, weil sie an unseren Wohlstand wollen, uns das verdiente wegnehmen. Und im Grunde aus reiner Gier und bösem Willen, sie gönnen uns das hart erarbeitete nicht.

Erst einmal ist da eine gute Nachricht versteckt. Offenbar geht es noch einer Menge Leuten in Deutschland so gut, dass sie Zeit und Lust haben, Fotos von Flüchtlingen darauf zu prüfen, welche Wertgegenstände die Flüchtlinge dabei haben. Schon ein wenig wahnwitziger ist dann die Vorstellung anhand eines schlecht fotografierten Bildes, auf dem man ohnehin keine Details erkennen kann, besser die Lebenssituation und Fluchtgründe des Asylbewerbers beurteilen zu können, als dies ein langwieriges, teilweise leider auch demütigendes Verfahren (z.B. über den Nachweis von Homosexualität und damit einem Verfolgungsgrund in der Heimat) ermöglicht.

Es ist schon ein wenig befremdlich, dass diese Leute tatsächlich glauben, Flüchtlinge lassen ihre Familien, Ihr ganzes Leben in der Heimat zurück, weil sie ein noch besseres Smartphone haben wollen. Oder noch bessere Schuhe oder einfach nur einen Mercedes fahren – denn jeder weiß, in Deutschland fahren alle Luxuskarossen. Oder erträumen sich die Flüchtlinge vielleicht andere Dinge, die für uns selbstverständlich sind und deswegen gar nicht als möglicher Grund für die Flucht in Betracht gezogen werden? Freiheit zum Beispiel, die Möglichkeit sein Leben selbstbestimmt gestalten zu können, keiner staatlichen Willkür unterworfen zu sein (außer einer willkürlichen und uninformierten Beurteilung durch Außenstehende), die einem das eigene Leben vorschreibt und ggf. verbaut.

Oder einfach plump: Krieg, wie es z.B. in Syrien der Fall ist. Wenn man dann aus so einer Region flieht, ist es wohl nicht überraschend, dass man das mitnimmt, was man am Leibe trägt, z.B. Schuhe und ein Smartphone und wenn man die Chance hat, zieht man für eine Flucht vielleicht nicht die miesesten Latschen an, sondern nimmt wertvolle Habseligkeiten mit. Wie z.B. das Smartphone, das ggf. die einizige Methode ist, wie man mit der Familie, die zurückgeblieben ist, Kontakt haben kann. Wie kann man glauben, dass man eine lebensgefährliche Flucht auf sich nimmt, damit man statt eines Smartphones auch noch ein iPad haben kann?

Ich denke, wer das glaubt hat selbst sehr seltsame Wertvorstellungen und Prioritäten im Leben und weiß nicht, dass kein „Wertgegenstand“, einen schönen Abend bei Sonnenuntergang am See mit Freunden zu verbringen, ersetzen kann. Gerade solche Dinge sind aber schwer zu bekommen, wenn das eigene Land im Bürgerkrieg liegt, Terrorismus herrscht oder man brutalen, unfreien Diktaturen unterworfen ist, wie es leider in großen Teilen Afrikas der Fall ist.

Woher kommen aber diese Vorwürfe? Warum hat man solche Befürchtungen? Ist es Neid, das anderen ggf. Glück widerfährt? Verbitterung, die Sorge man könnte ja selbst zu kurz kommen? Oder weil man selbst nicht seine großen Lebensträume erreicht und es deswegen auch anderen nicht gönnt? Vielleicht hat man dann einfach die falschen Träume und Maßstäbe? Oder ist es einfach beruhigend, wenn es anderen noch schlechter geht als einem selbst, weil man dadurch aufgewertet wird? Was hätten wir denn bei uns, wenn wir Hals über Kopf fliehen würden, weil z.B. In einem Bürgerkrieg unser Haus zerbombt worden ist? Nun wahrscheinlich unsere Markenklamotten und das Smartphone. Deswegen wäre aber unser Leben(sunterhalt) noch lange nicht gesichert.

Angesichts dieser Abwehrhaltung gegenüber dem Wunsch nach einem guten Leben anderer Menschen, mag man die äußernden von Hetzparolen doch fragen: Was habt Ihr denn für diesen Wohlstand getan, außer glücklichweise für Euch in dieses Land geboren worden zu sein? Wo ist Euer Verdienst? Klar, werden sie sagen, sie haben viel gearbeitet – viel arbeiten tun andere Menschen auch. Abgesehen davon, dass die Flucht selbst aufzehrend ist, gibt es Regionen auf der Welt, wo Menschen, vor allem Mädchen und Frauen, täglich mehrere Stunden unterwegs sind, um Wasser zu besorgen.

Ich habe nichts für den Wohlstand in diesem Land getan, außer Arbeit. Klar, ich habe meinen Wehr- und Zivildienst geleistet, „für die Gesellschaft“, aber bin ich deswegen jemand, der Wohlstand mehr verdient? Viele Flüchtlinge haben ebenfalls – unfreiwillig – Kriegsdienst geleistet.

Um dem – selbstverursachtem (ich komme später dazu) – Problem Herr zu werden, fordert die EU Kommission nun einen Schlüssel einzuführen, nachdem Flüchtlinge in der EU verteilt werden. Dagegen sind vor allem die baltischen Staaten und Polen, sowie Großbritannien. Auffällig ist dabei, dass man in Osteuropa offenbar gerne die Hilfe und die Förderungen der EU entgegen nimmt, zumal diese Länder Nettoempfänger sind, selbst mehr Geld aus der EU bekommen als sie einzahlen. Anderen gegenüber solidarisch zu sein, ist allerdings nicht gewollt. Ist man am Ende selbst nur in die EU eingetreten, um Geld abzustauben?

Aber ist die Tatsache, dass ich wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone kaufen können mehr wert als die Lebensperspektive und Freiheit anderer Menschen? Wenn ich in der Wüste jemanden treffe, der halbverdurstet ist, aber noch eine Flasche Limonade dabei hat, ich selbst habe aber weit mehr Wasser als ich benötige, um die Wüste zu durchqueren, ist es dann moralisch korrekt, der Person nichts abzugeben? Der Wohlstand von ein paar Markenschuhen und einem Smartphone reicht ja wohl kaum aus, um ein Leben zu sichern – eine vernünftige Ausbildung oder Arbeit sind da schon bessere Garanten.

Die Fakten auf den Tisch

Deutschland tut so viel schon: Na, ja. Anders als innerhalb der EU abgemacht, gibt Deutschland für Entwickliungshilfe nicht 0,7% des Bruttonationaleinkommens aus, sondern nur 0,4%. Das sind im Jahr ungefähr 10 Milliarden Euro – für die Bankenrettung haben wir fast das dreißigfache ausgegeben und dieses „Elend“ war rein selbst verursacht durch riskante Spekulationen. Ungefähr 9 Milliarden gibt ganz Europa für die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmehr aus. Pech für sie, dass sie keine Bank sind, die Zahlungsschwierigkeiten hat.

Weiterer Fakt: Im Schnitt zahlt jeder in Deutschland lebende Ausländer (d.h. ohne deutschen Pass), 3300 Euro mehr in die öffentlichen Kassen ein, als er bekommt. 67% von ihnen zahlen mehr ein, als sie bekommen – bei den Deutschen liegt der Anteil bei lediglich 60%. Anteilig leisten in Deutschland lebende Ausländer also mehr für die deutschen Kassen als die Deutschen. Hoppla, ja so ein Mist aber auch. Das Argument ist futsch. Mit entsprechender Ausbildung und Förderung würde sich diese Rate noch steigern lassen, so die Untersuchung. Ein Vorteil ist vor allem die Altersverteilung bei Ausländern – vor allem jüngere Menschen kommen nach Deutschland. Wir brauchen diesen Zufluss, weil sich sonst die Sozialkassen leeren würden.

Und woher kommt das Elend in dem Heimatländern der Flüchtlinge? Nun, nicht zuletzt durch die „Kolonialpolitik“ der EU, bzw. ihre Wirtschafts- und Entwicklungspolitik.

Da sind z.B. die Landwirtschaftssubventionen für Stallbau, Maschinen, etc. Dank dieser können die europäischen Bauern die Reste des für den europäischen Markt nicht mehr verwertbaren Hühnchenfleisches billiger in Afrika verkaufen, als die lokalen Bauern ihre Waren – und zerstören sie so damit und fördern Armut.

Ähnlich sieht es zum Beispiel mit der berühmten Piraterie aus. Bestialische Monster überfallen vor den Küsten Afrikas Handelsschiffe. Gerne verschwiegen wird dabei, dass es sich bei den Piraten eigentlich um Fischer handelt, deren Fischgründe von europäischen Fabrikschiffen leer gefischt wurden, bzw. durch illegale Müllentsorgung zerstört wurden – möglich, da es in Somalia nicht zuletzt wegen westlicher Einmischung keine funktionierende Regierung gibt, die solchem Handeln Einhalt gebieten könnte.

Die Folgen des Klimawandels tun ihr übriges. Verursacht vor allem durch Industrienationen, trifft er in erster Linie arme Regionen, z.B. durch Verwüstung ihrer Agrarflächen. Auch das ist ein Grund für Flüchtlingsströme.

Politische Einflussnahme des Westens ist ein weiterer. Afghanistan ist unsicher, trotz Friedensmission und das vor allem wegen der Taliban. Die Taliban, die durch den Westen aufgebaut wurden, um einst im Afghanistankrieg gegen die Sowjetunion zu kämpfen. Im Irak ist es ähnlich. Zwar ist man Saddam Hussein losgeworden – einst der strahlende Verbündete, den man für den Kampf gegen den Iran aufgebaut hat – aber die Lage ist ebenfalls extrem unsicher. Und so überrascht es nicht, dass sich in dem Gebiet eine neue Macht breit macht – der IS. Mal sehen, welchen lokalen Diktator man dieses Mal unterstützt, um IS zu bekämpfen. Natürlich wiedermal ohne von 12 bis Mittag über die Folgen nachzudenken. Die Liste unterstützter Diktatoren lässt sich auch in Afrika beliebig fortsetzen.

Nicht zuletzt, exportieren wir ja auch genug unserer abelegten Waren nach Afrika und in andere arme Länder. Wer bekommt denn unsere Markenklamotten, die wir um das Gewissen zu beruhigen in den Kleidercontainer stecken? Nun in der Regel werden diese Sachen von den aufstellenden Firmen in arme Länder verkauft. Genauso wie alte Elektrogeräte, Autos oder IT-Equipment, was man bei Händlern, u.a. im Internet, verkauft. Diese Sache gehen in Entwicklungsländer wo sie entweder auf Schrottplätzen entsorgt werden und die regionale Umwelt schwer schädigen und vergiften, weil es billiger ist wenn die EU ihren Müll dort entsorgt als ihn zu recyclen oder sie werden, soweit noch funktionstüchtig, eben an die Menschen verkauft. Natürlich nicht für den Neupreis, aber kann man es diesen Menschen wirklich verdenken, dass sie unsere abgelegten Wohlstandsartikel kaufen? Wir machen schließlich auch noch Geld damit…

Oder aber die Billigkleidung aller namenhafter Hersteller, die in Ländern wie Bangladesh unter teils lebensgefährlichen Bedingungen hergestellt wird. Natürlich kann man von dem Lohn auch kaum leben und natürlich kommen auch Kinder bei der Arbeit zum Einsatz.

Ein Großteil unseres Wohlstands ist also auf Kosten der ärmeren Länder und ihrer Bewohner entstanden und wir wollen dann protestieren, wenn diese zu uns kommen? Sie wollen ja nicht einmal etwas zurück, sondern einfach nur hier leben.

Aber die brutalen Schlepper müssen bekämpft werden

Nun die einen werden Piraten, die anderen Schlepper – aufgrund abgefischter Fischgründe müssen die Fischer eben umsteigen und ihre Boote für andere Dinge nutzen.

Heutzutage sind Schlepper allerdings brutale und schlimme Wesen – noch schlimmer als der Flüchtling selbst, man höre und staune  – komisch vor 20, 30 Jahren war das noch anders. Da waren Schlepper, die Menschen mit umgebauten Autos, Tunneln, etc. zu uns geholt haben, nicht böse Kriminelle, sondern Helden, sogenannte Fluchthelfer. Es war sogar gerichtlich festgestellt, dass es angemessen ist, für eine Fluchthilfe 40.000 DM zu kassieren (was seinerzeit noch weit mehr war als heute 20.000 Euro). Heute sind das menschenverachtende Schleuser und Menschenschlepper. Aber heute ist es ja auch kein politischer, ideologischer Sieg, wenn ein Flüchtling zu uns kommt. Er kommt ja nicht aus Ostdeutschland, bzw. der DDR. Heute ist es genau das Gegenteil, es ist eine ideologische Niederlage. Ein Flüchtling der zu uns kommt, konfrontiert uns vor allem mit den negativen Seiten unserer Gesellschaft und unseres Wirtschafts- und Sozialsystems.

Die Würde des Menschen

Wer jetzt immer noch klagt, dass die Flüchtlinge aber Adidasschuhe haben, dem kann man wohl attestieren, dass ihr Charakter den Dreck unter eben diesen nicht wert ist und das sie definitiv im falschen Land sind. Denn der oberste Leitsatz dieses Landes lautet immer noch:

Die Würde des Menschen ist unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Aufgabe aller staatlichen Gewalt.

Das ist der Artikel 1 unseres Grundgesetzes und darin spricht man von Menschen, nicht Deutschen oder Wohlhabenden. Und für die Würde ist es weit wichtiger, dass diese Menschen z.B. eine vernünftige Bildung bekommen als dass ich mir ein iPhone 7 am Erscheinungstag kaufen kann.

Natürlich ist es nicht einfach etwas zu tun, aber nur mit unserem Konsumverhalten können wir etwas erreichen, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Wenn ich z.B. einschränke wie viele (oft unnötigende und im Schrank versauernde) neue Klamotten ich kaufe, kann ich für die, die ich erwerbe mehr ausgeben und so bei fairen Händlern kaufen und damit sicherstellen, dass sie nicht in Billigfabriken hergestellt werden. Man kann auch Druck auf Abgeordnete ausüben und verlangen, dass Gesetze erlassen werden, die z.B. die Einfuhr von Waren, die nicht bestimmten ethischen Grundsätzen genügen, verhindern.

Oder aber ich nutze das gesparte Geld und lege es sinnvoller an – z.B. in die Bildung eines anderen Menschen, denn wer weiß, vielleicht findet ja ein unterstützer Flüchtling einst die Lösung für die Folgen des Klimawandels oder Krebs.

Wenn man weniger Zeit damit verbringt zu kontrollieren, ob Flüchtlinge sich erdreisten Markenschuhe zu tragen, kann man sich z.B. informieren, wie es in den Herkunftsländern der Flüchtlinge aussieht und welche Folgen unsere „Kolonialpolitik“ hat und so seinen eigenen Horizont zu erweitern. Eine Abkehr von dieser würde vielen Menschen ein sicheres Leben in ihrer Heimat garantieren und die Flüchtlingsboote am Horizont verschwinden lassen.

Natürlich geht es nicht allen Menschen in Deutschland prächtig, aber dafür können die Flüchtlinge, die jetzt ankommen wohl wenig. Schaut man einmal, wohin das Geld in Deutschland wandert, dann sind das nicht Flüchtlinge, sondern Reiche, darüber habe ich vor ein paar Wochen ja bereits geschrieben. Aber gegen Flüchtlinge zu wettern ist einfach, die haben nämlich weder eine Lobby noch die Möglichkeit sich selbst zu wehren.

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