Portrait einer nordischen Schönheit: Stockholm

Ende Februar mag ein wenig kalt sein für eine Reise nach Skandinavien, aber auf der anderen Seite vielleicht genau richtig, um typisches nordisches Wetter zu bekommen und so einen Eindruck vom Leben so weit im Norden. Der Besuch in Stockholm hat uns eine Stadt präsentiert, die freundlich ist und eine lange Geschichte hat, die man ihr vielerorts – im positiven Sinne – ansieht. Die großen Wasserflächen geben der Stadt eine offene Atmosphäre.

Anreise

Ryanair fliegt von verschiedenen deutschen Flughäfen nach Stockholm Skavsta, einem kleinen Flughafen ungefähr 90 Busminuten von Schwedens Hauptstadt entfernt. Schon im Bus wurden wir allerdings sehr freundlich begrüßt, der Fahrer sprach sogar sehr gut Deutsch und hat uns gleich die wichtigsten Fragen beantwortet.

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Blick vom Hostel auf’s Wasser.

Der Transfer endete nördlich der Altstadt neben dem Hauptbahnhof – für uns waren dies dann noch ca. 20 Minuten zu Fuß zum Hostel: Einem kleinen Boot südlich der Altstadt, wo wir für 60 Euro die Nacht eine Bleibe gefunden hatten. Bei 10 Minuten Distanz zur Altstadt, der Gamla Stan, kein schlechter Preis.

 

Sehenswürdigkeiten

Alle Sehenswürdigkeiten aufzuzählen, wäre sicherlich zu viel. Zu beachten ist bei einem Besuch vor allem, dass die Öffnungszeiten in der Regel nicht sehr lang sind. Die meisten Sehenswürdigkeiten öffnen zwischen 10 und 11 Uhr und schließen zwischen 16 und 17 Uhr, im Sommer jeweils eine Stunde später. Dies schränkt natürlich ein, was man an einem Tag schaffen kann und zumindest im Winter gibt es nicht so viele Möglichkeiten „draußen“ viel zu unternehmen – es ist zu kalt und wird früh dunkel. Allerdings ist der Vorteil, dass die wichtigen Sehenswürdigkeiten alle sehr dicht beieinander liegen, so dass die Wege nicht so lang sind.

Die Altstadt beherbergt das Schloss, welches im 17. Jahrhundert im heutigen Aussehen entstand und eine etwas verdächtige Geschichte hat. Ursprünglich formte es sich im Laufe der Jahrhunderte aus den alten Burganlagen, welche einst die Stadt schützten und entwickelte sich immer mehr zu einer Residenz ohne Festungscharakter. Mitte des 17. Jahrhunderts beauftragte die Königsfamilie einen Architekten mit Plänen für einen Neubau – man wollte nicht hinter den Residenzen von anderen absolutistischen Herrschern zurückstehen. Geld- und Platzmangel sorgten jedoch dafür, dass die Pläne zunächst nicht genutzt wurden. Lediglich der Nordflügel wurde schließlich im neuen Stil gebaut. Dennoch blieb das verhältnismäßig kleine Anwesen für den König unfertig und das Erbe als mittelalterliche Burg führte zu Enge. Schließlich kam es 1697, einem Jahr in dem in Schweden eine Hungersnot herrschte, zu einem Brand, welcher nachts direkt über den königlichen Gemächern ausbrach und in dessen Folge der Großteil des Schlosses zerstört wurde. Lediglich die Mauern des Nordflügels überstanden die Katastrophe.

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Das Stockholmer Schloss vor dem Brand 1697, mit dem neuen Nordflügel (links Mitte).

Da wird die Geschichte ein wenig merkwürdig. Es kam unverzüglich zu einer Untersuchung zu den Brandursachen, allerdings konnten diese nie aufgeklärt werden. Allerdings wurden die Wachleute, die an diesem Abend Dienst hatten vom König zum Tode verurteilt – da ihnen keine Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, sehr zur Überraschung aller Mitglieder der Regierung und der Untersuchungskommission. Am Morgen nach dem Brand beauftragte der König einen Architekten mit der Leitung des Neubaus auf Basis der der fast 50 Jahre alten Pläne. Es gab nicht einmal eine Suche nach einem geeigneten Kandidaten, dieser stand bereits fest. Ein wenig merkwürdig sind all diese Umstände schon, oder? Ein teurer Neubau in Zeiten einer Hungersnot war sicherlich nicht populär, schnelle Todesurteile, ohne wirklich Schuldige gefunden zu haben, die sofortige Anstellung eines Bauleiters und die Tatsache, dass lediglich der schon neu gebaute Nordflügel den Brand überstand, welcher direkt über den Gemächern des Königs ausbrach, lassen ein wenig überlegen, ob dem König dieser Brand nicht „sehr willkommen“ war… Warmer Abriss im kalten Schweden? Man weiß es nicht.

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Links: Blick von Norden auf die Schlossfassade. Rechts: Das prunkvolle Interieur des Schlosses.

Heute dominiert das neu gebaute Schloss den nördlichen Teil der Altstadt und wird bei Staatsbesuchen als Unterkunft für die Gäste und für Regierungsbesprechungen genutzt. Es ist nicht länger die Residenz des Königs.

Fast direkt neben dem Schloss findet sich das Parlament und die Königliche Oper. Das Schloss selbst kann für 150 Kronen, ca. 15 Euro, besichtigt werden. Neben der prunkvollen Einrichtung, den Apartments der königlichen Familie und ihrer Gäste, ist auch eine Schatzkammer zu bewundern, die goldene Reichsinsignien, allen voran die Kronen beherbergt. Etwas unscheinbar an der Südostseite des Schlosses befindet sich im Keller die Rüstkammer, welche Rüstungen, Kleidung und Kutschen der letzten 500 Jahre zeigt. Der Eintritt ist frei.

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Prunkrüstung in der Rüstkammer.

Unweit des Schlosses, gegenüber vom Reichstag, befindet sich unterhalb einer Brücke, das Mittelaltermuseum der Stadt. Auch hier ist der Eintritt frei und man kann – heutzutage unterirdisch – einen Rest der alten Stadtmauern sehen. Mit liebevollen Details ist in dem Museum mit zahlreichen Häusern und Figuren, mittelalterliches Leben dargestellt, gepaart mit Informationen über Archäologie und ihre Methoden. Verständlich und jeweils in der richtigen Dosis, bekommt man viele verschiedene Facetten der damaligen Gesellschaft erläutert – Religion, Ritter, Händler und Stadtleben werden abgedeckt. Führungen werden durch entsprechend verkleidetes Personal angeboten.

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Die Reste der Stadtmauer im Mittelaltermuseum.

Östlich der Altstadt – mit einer Fähre leicht zu erreichen – liegt eine weitere Insel, Djurgarden, welche u.a. ein weitläufiges Freilichtmuseum beinhaltet. Im Skansen kann man das bäuerliche Leben des 19. Jahrhunderts lebensecht besichtigen.

Bekannter aber ist wohl das Vasa-Museum. Bei der Vasa handelt es sich um ein Zweidecker-Schlachtschiff mit ursprünglich 64 Kanonen, welches im Jahr 1628 auf seiner Jungfernfahrt vor dem Stockholmer Hafen versank. Zwar hat man in den folgenden Jahrzehnten die wertvollen Kanonen aus 40 Metern Tiefe geborgen (und zwar mit Hilfe von Taucherglocken), das Schiff selber wurde allerdings erst 300 Jahre später aufwändig gehoben und im ursprünglichen Trockendock eingelagert und restauriert.

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Die Vasa vom Bug aus gesehen.

Heute ist das Vasa-Museum das größte Schiffsmuseum der Welt. Dominiert wird es von dem dunklen Schiffswrack, das vor allem durch die aufwändigen und detailreichen Verzierungen beeindruckt. Das Museum erstreckt sich über drei Etagen, welche das Schiff umrahmen und verschiedene Themen näher beleuchten. Das Leben an Bord, die Figuren, die Menschen und die Geschichte des Schiffes, inklusive der Bergung, werden mit Nachbauten des Interieurs, Modellen und Fotos anschaulich erklärt. Das Museum besticht dabei vor allem damit, dass man nie das Gefühl hat, man bekäme „zu viel“ erzählt, sondern die Dosis ist immer genau richtig. Außerdem gibt es Audioguides, die einem an verschiedenen Punkten kostenfrei Erklärungen in beliebiger Sprache geben. Nachteilig ist, dass man diese Punkte allerdings mitunter schlecht findet. Zu verschiedenen Tageszeiten werden allerdings auch Führungen angeboten, u.a. in Deutsch.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Dom, das Nobelmuseum und das Historische Museum, welches die Geschichte Schwedens näher beleuchtet. Dom und Nobelmuseum sind ebenfalls unweit des Schlosses. Ersterer besticht vor allem dadurch, dass er sehr hell im Interieur ist und aufwändige Kunstarbeiten beinhaltet.

Das Historische Museum ist sehr umfangreich und zeichnet die Geschichte des Landes vom Mittelalter bis in die Gegenwart nach, verliert sich dabei aber mitunter in vielen Wiederholungen von Details. Auch hier gibt es zahlreiche Dioramen und Modelle, ebenso viele Schmuckgegenstände und ganze Schätze zu bestaunen. Allerdings nach dem 10. Goldschmuckhaufen, hat man dann auch einfach genug.

Die Stadt selbst ist natürlich an sich auch eine Sehenswürdigkeit – durch die zahlreichen Wasserstraßen und Inseln bieten sich viele schöne Panoramen. Besonders erwähnenswert ist die Promenade Skandvägen.

Leben und Leute

Stockholm ist beinahe eine Millionenstadt. Auffällig ist aber, dass die Hektik anderer Großstädte dort beinahe völlig zu fehlen scheint. Selbst der Verkehrslärm ist erträglich – in vier Tagen Stockholmbesuch haben wir gerade einmal zwei Autos hupen hören.

Trotz der Lage auf verschiedenen Inseln ist die Verkehrsanbindung hervorragend. Nicht nur, dass es ein dichtes Netz von Straßenbahnen und Zügen gibt, sondern man kann auch an vielen Stellen Fähren besteigen, die einem Abkürzungen über das Wasser erlauben – der Preis liegt dabei bei ca. 3 Euro pro Fahrt.

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Skandvägen.

Die Geschäfte sind sehr ähnlich wie bei uns, H&M und Co finden sich überall. Über-raschenderweise hat Stockholm offenbar seine eigene Kaffeehaus-Kette.

Essen, selbst im Supermarkt, ist allerdings recht teuer. Im Imbissrestaurant zahlt man schnell mal 40 Euro für zwei Pizzen mit Getränken. Allerdings sind die kulinarischen Möglichkeiten dafür auch sehr abwechslungsreich – man findet auch Ketten wie Vapiano.

Die Menschen in Stockholm sprechen alle sehr gut Englisch und sind sehr freundlich und aufgeschlossen. Mitunter wird auch Deutsch gesprochen. Insgesamt gibt es keine Hektik, kein Drängeln und auch Autofahrer sind stets rücksichtsvoll. Eine Stadt zum Wohlfühlen.

Fazit

Stockholm hat nicht enttäuscht und dies war sicherlich nicht der letzte Besuch dort. Neugierig bin ich auf die Umgebung der Stadt und die Strände, die sehr schön sein sollen. Die freundlichen Menschen und die Tatsache dass man Stockholm schnell erreichen kann, sprechen definitiv für einen weiteren Besuch.

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2 Gedanken zu “Portrait einer nordischen Schönheit: Stockholm

  1. Das ist ein sehr gelungener, ausführlicher Bericht über Stockholm, danke für die Tipps! 🙂 Habe mir ein paar Sehenswürdigkeiten davon auf meine To-do-Liste für meinen Stockholmaufenthalt im Mai gesetzt!
    Liebe Grüße,
    Miri

    1. Danke, das freut mich! Ich kann es wirklich sehr empfehlen. Im Mai müssten die Öffnungszeiten auch schon länger sein, dass man mehr schafft und es ist bestimmt wärmer. Viel Spaß! 😀

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