Abgebrexit wird zum Schluss…

Es ist passiert, die Katastrophe ist da, Großbritannien verlässt wohl die EU. Na, ja zumindest noch ein Stück mehr als es das ohnehin schon getan hatte. Die Briten sind so eine Sache. Vor tausend Jahren von Kontinentalern erobert, haben sie sich irgendwie nie von diesem Schrecken erholt und waren ja seit jeher skeptisch gegenüber den Integrationsbewegungen innerhalb von Europa, welche letztlich im Jahre 1992 in der Gründung der Europäischen Union gipfelte, aber keineswegs ein „Schnellschuss“ war.

Ansätze zu einer Einigung von Europa gab es bereits lange, konkret – auf friedliche Weise – wurden sie aber erst nach dem Schrecken des zweiten Weltkriegs. Die gesamte Geschichte der EU hier zu referieren wäre zu lange, aber es reicht zu wissen, dass die EU wie wir sie heute kennen, eine bewusste Entwicklung ist, die viele Jahrzehnte in Anspruch genommen hat.

Und nun sind die Briten raus. Aber ist das wirklich so schlimm? Die Briten sind ja eigentlich nie so wirklich Mitglied der EU gewesen und gehörten immer schon zu den Gästen auf der Party, die sich zwar die Rosinen herausgepickt und die schicksten Schnittchen am Buffet kassiert haben, aber wenn es an die Pflichten ging, gerne die Inselkarte gespielt haben – sie sind halt etwas besonderes. So werden die Beiträge, die ein Land für die EU bezahlen muss an der Wirtschaftsstärke berechnet, allerdings bezahlen die Briten nur ein Drittel der eigentlich – für alle anderen geltenden – notwendigen Summe. Neben weiteren Einschränkungen der Pflichten auch bzgl. der Verteilung von Flüchtlingen.

Von dieser Warte aus betrachtet, ist der Austritt von Großbritannien eigentlich gar kein so großer Verlust für die EU, auf dem Papier. Rein von der finanziellen Seite war Großbritannien allerdings in jedem Fall ein Nettozahler, d.h. finanziell wird dieser Verlust auch zu spüren sein. Außerdem wird durch den Austritt aus der EU auch ein Präzedenzfall geschaffen, der z.B. Griechenland nun auch mit einem GREXIT bedrohen könnte. Dieses Tabu eines Austritts ist dann gefallen. Allerdings ist ein freiwillige Austritt aus der EU auch vertraglich vorgesehen, der zwangsweise Austritt nicht.

Der Austritt der Briten ist in jedem Fall ein dramatischer Schlag, aber es ist keine Katastrophe. Die EU wird damit fertig werden, einen Weg finden und damit wäre auch dieses Schreckgespenst vertrieben. Der nächste Austritt wird ein „alter Hut“ sein mit dem künftig auch niemand mehr drohen kann. Vor allem dann nicht, wenn die Auswirkungen für den austretenden Staat nicht plötzlich blühender Wohlstand ist, wie einige offenbar in Großbritannien glauben, die aber mit einem Kurseinbruch des Pfunds auf ein Dreißigjahrestief erst einmal unrealistisch erscheinen.

Wenn Großbritannien ein Land wie jedes andere Nicht-EU-Land wird, müssen die Briten Arbeitserlaubnisse beantragen und anders herum, jeder der im Königreichen leben und arbeiten möchte, ebenso. Der Handel wird in jedem Fall erschwert, auch wenn die Briten eine Assoziation in Maßen zugestanden bekommen. Und auch diese wird schwer zu bekommen sein, denn die EU wird wenig Interesse daran haben, es den Briten leicht zu machen, um keine Nachahmer anzufeuern.

Aber was ist denn eigentlich die EU? Die EU ist eine vermeintliche Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft. Leider hat sich mit der Flüchtlingskrise gezeigt, dass vor allem letzteres überwiegt und nicht so sehr ersteres. Denn wenn es um Solidarität geht mit anderen, dann wird die gerne außen vor gelassen. Solidarität ist nämlich gut, wenn sie den eigenen Wohlstand nährt, wenn andere etwas davon abhaben sollen, dann ist die Bereitschaft zu Solidarität gering.

Die EU hat u.a. zum Ziel Wohlstand umzuverteilen, nicht dramatisch, nicht zur Einschränkung der Lebensqualität aber nach dem Glauben, dass es in Ordnung ist, wenn reichere Länder ärmeren finanzielle Hilfe geben und dafür sorgen, dass sie sich wirtschaftlich positiv entwickeln. Genauso wie der Länderfinanzausgleich innerhalb der Bundesrepublik.

Und ja die EU ist bürokratisch. Wenn sich 28 Länder mit unterschiedlichen Kulturen, unterschiedlichen Traditionen, eigenen Gesetzen und Vorschriften zusammentun, um sich Vorschriften für Verfahren zu überlegen, die sie alle gemeinsam betreffen, dann ist das sicherlich kompliziert. Jeder möchte ja, dass seine Ideen und Wünsche und Prinzipien berücksichtigt werden und das ist auch gutes Recht. Aber wäre es denn weniger bürokratisch ohne EU?

Wäre es weniger bürokratisch, wenn man z.B. mit all diesen Ländern jeweils einzelne Abkommen hätte bzgl. Handel, Austausch zum Studium und Berufsausbildung, Rechtsdingen, Strafverfolgung, etc.? Wenn man statt einem Regelwerk dann pro Land 28 hätte? Anerkennung von Abschlüssen, Exporte, etc. müssten ein eigenes Verfahren haben. Statt eines Regelwerks würde es dann zahllose geben.

Ich finde auch nicht alles gut, was die EU macht, es gibt zuviel Einfluss durch Lobbyverbände, es gibt sicherlich Geldverschwendung und seltsame Vorschriften, die z.B. die Krümmung von Salatgurken betreffen.

Aber eines darf man nicht vergessen. Europa war über viele Jahrhunderte geteilt und zerstritten, gebeutelt von Krieg. Die beiden grausamsten fanden innerhalb von 20 Jahren statt, der erste und der zweite Weltkrieg. Kriege die sehr viel Leid und Zerstörung gebracht haben und warum?

Bundesarchiv_Bild_183-Z0309-310,_Zerstörtes_Dresden
Die Konsequenz von Nationalismus.

Wegen Nationalismus. Der Kampf von einer Nation gegen die andere, die Konkurrenz. Es hat seit dem Beginn der europäischen Integration keinen Krieg innerhalb dieser Gemeinschaft gegeben. Erzfeinde seit Jahrhunderten, wie Deutschland und Frankreich, haben seit 70 Jahren keinen Krieg mehr gegeneinander geführt. Es herrscht nicht nur Frieden, sondern Kooperation zwischen einstigen Feinden. Wir tauschen uns aus, wirtschaftlich, technisch und wissenschaftlich. Die Weltkriege und auch die Kriege davor, sind bestens dokumentiert und jeder, der in der Tat meint mit Nationalismus würde man mehr erreichen, als im Rahmen einer friedlichen Kooperation, der kann sich ja einmal diese Dokumentationen ansehen.

Gut am Brexit finde ich, dass damit sehr deutlich werden wird, welche Nachteile eine solche Abspaltung für alle Beteiligten hat, so dass am Ende die EU, der Zusammenhalt in Europa sogar noch gestärkt wird. Und vielleicht wird ja Großbritannien irgendwann wieder eintreten wollen, auch wenn es dann vielleicht nicht mehr so groß ist, weil Schottland sich tatsächlich loslöst. Bis dahin, zitiere ich mal, „Per Anhalter durch die Galaxis“:

So long and thanks for all the fish!

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