Auf Schusters Rappen an Portugals Küste – Rota Vicentina

 

Achtzig Kilometer entlang Portugals Südwestküste ist die Bilanz von vier Wandertagen in der letzten Woche. Die Küste von Alentejo kann seit einigen Jahren auf der Rota Vicentina begangen werden, wobei die Routen unterteilt sind in einen historischen Teil durch das Landesinnere und den Fisherman’s Trail direkt entlang der Küste. Diesen haben meine Freundin und ich bewandert und dabei beeindruckende Küstenlandschaft und die freundlichen Einwohner des Landes kennengelernt.

 

Anreise

Die Anreise war relativ simpel: Von Bremen aus direkt mit dem Flieger nach Lissabon. Von dort aus ging es dann mit dem Bus nach Porto Covo, dem Start unserer Strecke. Der Flug war günstig, da wir eine Billigfluglinie gebucht hatten – dafür ging allerdings auch unser Gepäck verloren, so dass wir Ersatz besorgen mussten. Der Vorteil am Wanderurlaub ist, man hat ohnehin nicht soviel „Zeug“ dabei, so dass man fast ohne Gepäckaufgabe auskommt. Der Bus selbst hat für die Strecke nach Porto Covo ca. 15 Euro gekostet und brauchte ungefähr dreieinhalb Stunden bis zum Ziel. Wenn man den Fisherman’s Trail gehen möchte, kann man auch nach Odeceixe, dem südlichsten Ziel auf dem Küstenweg, fahren und den Weg in Richtung Norden gehen. Wir haben von dort den Rückweg genommen. Dies dauerte unwesentlich länger und kostete zwei Euro mehr. Also für gut 30 Euro pro Person kommt man hin und zurück. Nachteilig ist, dass man im Bus nicht essen darf: Also vorher `was futtern. Die Pausen sind kurz und rar. In Odeceixe befindet sich die Bushaltestelle direkt an der Brücke an der Landstraße, wo die Variante 19 de Abril endet, also leicht außerhalb des Örtchens. In Porto Covo findet man sie ungefähr 200 m östlich des Zentrums.

img_4512small
Porto Covo am frühen Morgen.

 

Logistik und Unterkünfte

Die Etappen des Fisherman’s Trails sind eher kurz, d.h. auch für unerfahrene Wanderer geeignet. Allerdings gibt es in der Regel keine Möglichkeit die Etappen anders als vorgesehen zu gehen, wenn man nicht direkt zwei auf einmal laufen möchte. Dies würde ich nicht empfehlen, da man dann einfach die Strecke zu schnell abläuft. Die Etappen waren zwischen 17 und 22 km lang und endeten jeweils in einem kleinen Städtchen, wo man Unterkunft finden konnte. Portugal ist ja nun einmal doch recht warm, daher empfiehlt sich eigentlich, dass man eher im späten Sommer oder Herbst, bzw. Frühjahr den Weg läuft. Dies erlaubt auch eine leichtere Buchung von Unterkünften. Der Küstenbereich ist aufgrund der starken Brandung und Strömungen nur bedingt für Badeurlaub geeignet, daher gibt es auch keine großen Hotelkomplexe, wie man sie z.B. aus Spanien kennt. Rechtzeitig buchen ist daher angesagt. Dies lässt sich aber mit Seiten wir booking.com leicht erledigen.

Empfehlenswert in Porto Covo ist das Ahoy Hostel. Das verwinkelte Haus ist in bestem Zustand, hat zwei Badezimmer, eine Küche und eine tolle Dachterasse, die zum Entspannen einlädt. Der Besitzer ist ein sehr lockerer Portugiese, der einen mit allerlei Tipps zu den Etappen versorgt. Seine Zeitangaben waren zwar mitunter etwas sportlich, aber eventuell hat er nicht mit Gepäck gerechnet.

Das Caso de Almograve ist nach der zweiten Etappe eine gute Wahl. Zwar handelt es sich um nur ein (Doppel-)Zimmer in einem Privathaus, aber Rui und seine Frau sind sehr liebe und hilfsbereite Menschen. Rui arbeitet für eine Firma, die den Weg unterhält und kann ebenfalls Tipps und Hinweise geben.

Die Preise der Unterkünfte liegen bei ca. 40 Euro für ein Doppelzimmer und sind damit erschwinglich. Auch die Preise im Supermarkt liegen leicht unter denen in Deutschland, ebenso in den Restaurants. Besonders empfehlenswert ist das Restaurant Chaparro in Odeceixe (in der R. Estr. Nacional), wo man draußen am Steinofen sitzen und dem Koch bei der Zubereitung des Essens zusehen kann. Der Service ist exzellent, ebenso die Qualität der Speisen bei einem sehr geringen Preis.

 

Der Weg und die Landschaft

Die Landschaft entlang des Weges ist selbstverständlich sehr anders als man sie aus Deutschland kennt. Und obwohl ich auch in Spanien schon den Camino del Norte an der Küste entlang marschiert bin, ist der Fisherman’s Trail doch noch einmal etwas ganz anderes gewesen. Nicht unterschätzen sollte man allerdings, dass es entlang des Weges zwar windig ist, sich aber kaum Schatten findet – von wenigen Episoden durch kleine Wäldchen abgesehen – so dass einem die Sonne schnell zu schaffen machen kann. Es empfiehlt sich daher lieber früh aufzubrechen, d.h. gegen 7 Uhr. In Portugal haben da allerdings auch schon viele Geschäfte offen, so dass man sich sogar mit frischen Brötchen oder Kaffee versorgen kann, um den Tag zu starten.

Die Landschaft ist sehr wild und ursprünglich, viele Klippen lassen erahnen, mit welcher Kraft das Meer hier zugange ist. Die versteinerten Dünen sind an vielen Stellen abgetragen und ihre Reste ragen messerscharf aus dem Wasser – ein weiterer Grund, warum die vielen, langen Strände so einsam sind. Die Brandung in Kombination mit den Felsen ist nicht ungefährlich. Aber dafür haben die Strände und die ganze Landschaft sich so etwas sehr ursprüngliches bewahrt und man kann die weiten Strände oft menschenleer vorfinden. Und für eine kurze Abkühlung auf dem sonnigen, heißen Weg, langt es allemal, wenn man sich vorsieht.

Überraschend bunt ist der Weg ebenso und Gerüche, wie man sie sonst nicht kennt, lassen einen erahnen, wie einzigartig das Ökosystem an der Küste ist, welches viele endemische Arten beheimatet. Der Sand ist vielerorts rötlich verfärbt, ebenso die Pflanzen, was ein ganz eigenes Bild, erst recht in den Dämmerungsstunden erschafft.

img_4821fb
Blick auf die vernebelten Klippen

Die Küste hält allerdings auch mal meteorologische Überraschungen bereit. So kann das Wetter erstaunlich schnell umschlagen und präsentiert sich dann mit Nebel und Regen.

Der Weg ist in beide Richtungen sehr gut ausgeschildert und als Faustregel kann gelten, den aktuellen Pfad nicht zu verlassen, solange man kein entsprechendes Schild sieht.  Eigentlich bleiben aber keine Fragen offen, zumal der Weg regelmäßig von Gestrüpp befreit wird, welches Schilder und Markierungen verdecken könnte. Mit wenigen Ausnahmen braucht man auch keine Kletterpartien einzulegen und selbst für jemanden wie mich, mit einer ausgeprägten Höhenangst, ist der Weg kein Problem. Der ein oder andere Pfad ist etwas steil, wirklich anspruchsvoll ist allerdings vor allem die Etappe von Porto Covo nach Vila Nova de Milfontes. Aber auch auf den übrigen Strecken ist eines recht schwierig zu meistern: der tiefe Sand, der über erhebliche Teile des Weges den Boden bedeckt. Dies macht das Wandern mitunter sehr anstrengend.

Möglichkeiten zur Abkürzung gibt es auf den Etappen ebenfalls, üblicherweise dadurch, dass man ggf. ein Taxi nehmen kann, das man sich in einen der noch kleineren Orte rufen kann, als die ohnehin schon kleinen Zielorte.

 

Die Leute

Besonders bemerkenswert sind aber die Einheimischen. In vielen Fällen kann man sich mit Englisch verständigen, aber selbst wenn nicht, geht es mit Händen und Füßen und die Portugiesen sind sehr geduldig. Sie sind ebenso hilfsbereit und bemüht einen zu unterstützen, wo es geht – man braucht sich nicht zu scheuen nach Hilfe zu fragen. Die Herzlichkeit der Menschen ist echt und nicht aufgesetzt.

 

Fazit

Die Wanderung entlang der portugiesischen Küste war ein besonderes und empfehlenswertes Erlebnis. Allerdings ist die Landschaft nicht so abwechslungsreich, dass man mehr als eine Woche wirklich Neues entdecken kann. Zwar bleibt dann noch der historische Weg durch das Landesinnere, dieser wurde uns jedoch als weit weniger schön beschrieben. In jedem Fall sind die Portugiesen ein sehr nettes Volk, dass einen sehr gastfreundlich behandelt. Für jemanden, der gerne wandert, ist der Weg daher sehr zu empfehlen.

 

 

Eine ausführliche Beschreibung unserer Erlebnisse findet Ihr hier

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s