Wandern an der Ostseeküste

Angeregt von einer Doku sind wir dieses Jahr nicht in die Ferne geschweift, um unserer Wanderlust zu frönen, sondern, haben (teilweise) den E9 entlang der Ostseeküste abgelaufen. Dabei haben wir vor allem niedliche, kleine Orte kennengelernt, tolle Natur gesehen und schöne Strände. Die Wanderung startete in Wismar und sollte bis Zinnowitz gehen – aufgrund diverser Wetterwarnungen sind wir dann allerdings schon früher nach Hause und haben drei Etappen ausgelassen.

 

Die Anreise

Die Anreise war für uns denkbar unkompliziert. Von Bremen sind wir nach Schwerin mit dem Zug gefahren und haben dort noch eine kleine Sightseeing-Tour gemacht, bevor wir dann mit dem Zug weiter Wismar zu unserem Startpunkt. Offiziell startet der Weg in Lübeck – das ist ebenfalls gut mit dem Zug zu erreichen.

 

Der Weg und die Etappen

Der E9 ist ein europäischer Fernwanderweg und verläuft zu großen Teilen direkt an der Ostseeküste entlang, mitunter direkt am Wasser, manchmal auch weiter im Land. Streckenweise teilt sich der Weg oder ist deckungsgleich mit lokalen Wegen. Dies ist insbesondere in der Beschilderung etwas missverständlich mitunter. Beispielsweise die ersten Etappen werden mit dem Hanseatenweg geteilt, welcher ein Schiff als Markierung verwendet – wenn man das nicht weiß, sucht man oft vergeblich eine Markierung für den E9, die weiß, blau, weiß aussieht.

wegmarkierung
Wegmarkierungen – links: Hanseatenweg, rechts: E9.

Insgesamt ist die Beschilderung sehr uneinheitlich. Mitunter findet man alle paar hundert Meter eine Markierung, dann wieder über lange Zeit nichts. Die ein oder andere Abzweigung muss man raten, bzw. auf einer Karte nachsehen, die den E9 eingetragen hat. Es ist daher sehr zu empfehlen, diese bei sich zu haben. Zu unserer Reise waren leider alle Reiseführer, bzw. Karten vergriffen, weswegen wir uns mit einer online-Karte beholfen haben. Auf der Seite „Auf-Nach-MV.de“  ist der Ostseeküstenwanderweg eingezeichnet.

Die Entfernungsangaben der offiziellen Beschreibung sind leider nicht immer korrekt und weichen teilweise um einige Kilometer ab. Ein weiteres Problem ist, dass oft streckenweise Teile der Steilküste gesperrt sind, so dass man dann sehr große Umwege laufen muss – in unserem Fall war das Maximum 8 km. Für Fahrradfahrer kein Problem, für Wanderer ist dies schon eine erhebliche Verlängerung. Leider sind die Touristeninformationen und Hotels nicht besonders gut über diese Sperrungen informiert, so dass man meistens erst unmittelbar vor Ort davon erfährt.

Insgesamt ist man am Weg nicht so sehr auf Wanderer eingestellt, die große Strecken wandern, sondern eigentlich eher Spaziergänger, die mal einen Nachmittag wandern. Es gibt auch Wegstrecken, die auf dem Fahrradweg verlaufen. Das ist nicht nur keine schöne Aussicht, weil man im Grunde auf der Straße läuft, sondern auch nicht sehr kommunikativ, da man hintereinander gehen muss.

Die Etappe vor Stralsund ist offiziell 50 km lang – das ist für Fahrradfahrer kein Problem, für Wanderer schon eher. Wir haben daher noch eine Unterkunft (Carmina am See) zwischendurch gesucht. Was sich auch voll gelohnt hat, da der Service exzellent war und wir sogar noch ein altes Schloss gesehen haben.

Unterkünfte und Etappenziele

Die Unterkünfte sind in den meisten Fällen gut gelegen. Allerdings wind einige Etappenziele doch recht klein, z.B. Klein Strömkendorf. Man findet einige Campingplätze, so dass man durchaus mit Zelt reisen kann. In jedem Fall lohnt es sich durchaus – zumindest in den kleineren Orten – zu reservieren. In den größeren haben wir immer auch frei Zimmer auf dem Weg gesehen.

Die Unterkünfte kosten in der Regel um die 120€ für zwei Personen und eine Nacht. Dies wird ggf. etwas günstiger, wenn man länger bleibt.

Besonderes Highlight an Unterkünften waren das Regenbogencamp in Prerow. Wir haben dort einen Wohnwagen gemietet. Nicht nur war es sehr sauber und gemütlich, sondern wir haben in den Dünen übernachtet, einen Steinwurf vom Strand entfernt. Morgens sind wir vom Sonnenaufgang über den Dünen geweckt worden.

Die Orte entlang des Weges sind typischerweise sehr klein und sehr auf Touristen ausgerichtet. Rerik, Prerow, usw. Hier und da gibt es kleinere Sehenswürdigkeiten – in den meisten Fällen beschränken diese sich aber auf den Strand. Das ist aber auch zu erwarten. Mit Einkaufsmöglichkeiten hat man eigentlich keine Probleme – wir waren immer gut versorgt. Nur einmal mussten wir uns wegen einer zu erwartenden späten Anreise etwas zu Essen mitnehmen.

Besonderes Negativbeispiel für uns war Kühlungsborn. Diese Elite-Touristen-Hochburg ist nun wirklich kein Ort für Wanderer und auch sehr weitläufig. Die Stimmung war uns zu unpersönlich und nüchtern.

Ausnahmslos muss man sagen, dass die Orte alle in tollen Zustand waren. Viele alte Bauwerke fielen auf.

Leute

Die Leute sind durchwachsen. Einige sind sehr herzlich und freundlich. Die große Mehrheit ist aber doch eher reserviert, mitunter unfreundlich. Dies gilt vor allem für die „guten“ Unterkünfte, wo wir als Wanderer nicht gern gesehen waren (wie z.B. in Kühlungsborn). Schade! Aber man hat es wohl nicht nötig. Einheimische, die man auf der Straße getroffen hat, waren aber üblicherweise freundlich und wohl gesonnen. Man kommt ins Gespräch und bekommt auch Tipps am Wegesrand. Also im Grunde so wie an den meisten Orten der Welt.

Landschaft und Natur

Besonders in der Nähe der Touristenhochburgen sind die Strände auch entsprechend touristisch. „Wilde“ Strände gibt es kaum. Ein Beispiel für etwas Idylle ist Meschendorf. Es gibt weitere, aber die liegen in der Regel mitten auf dem Weg und nicht nahe der Orte. Trotzdem ist das Meer natürlich schön und besonderen Reiz bekommt es, wenn man durch den Wald wandert – was wir sonst nicht so sehr von Küstenwegen kennen. Eine schöne Kombination.

Sehr reizvoll ist auch die Fauna. Wir haben in Dierhagen Hirsche brunften hören und auch wie sie sich gegenseitig mit ihren Geweihen gerammt haben. Wir haben unterwegs immer wieder Kraniche, Greifvögel (insbesondere Falken, Milane und sogar mehrfach Seeadler – Achtung! Diese Tiere stehen unter strengem Naturschutz, also bitte nicht nachstellen. Muss man auch nicht, die fliegen auch über die Wege), Rehe und andere Tiere gesehen. Sehr idyllisch. Die Fauna ist vor allem – abgesehen von Möwen – abseits des Wassers zu finden. Im Wasser selbst gibt es immer mal wieder (ungefährliche) Ohrenquallen.

Für uns war die Natur abseits der Küste eigentlich noch schöner. So kommt man an leicht hügeligen Feldern vorbei, an alten Alleen, oder eben mal einem kleinen Schloss.

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Der Gespensterwald direkt am Strand in der Nähe von Heiligendamm

Fazit

Landschaftlich lohnt sich der Ostseeküstenweg allemal. Ebenso von den Naturbegegnungen. Negativ empfanden wir die schlechte Einstellung bzgl. Wanderern, die eindeutig noch Exoten sind. So gibt es keinen professionellen Gepäcktransport (nicht, dass wir diesen nutzen wollten, aber manchmal muss man ja vielleicht). Wen das nicht stört, der findet auf dem Weg viele, kleine und besuchenswerte Orte und natürlich Meer satt.

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